KI in der Radiologie: Anlass zur Sorge oder zur Hoffnung?

Eine KI-basierte Automatisierung kann unsere Fehlerrate und den Aufwand für Routinearbeiten senken helfen, sodass wir mehr Zeit für wesentliche Arbeiten gewinnen – davon bin ich überzeugt. Wir können uns unseren Patienten eingehender widmen und haben mehr Zeit für Gespräche, Beratung sowie Lehr- und Forschungstätigkeiten.
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Künstliche Intelligenz kann Radiologen unterstützen

Wie verändert künstliche Intelligenz (KI) den eigenen Beruf? Diese Frage wird unter Radiologen derzeit heiß diskutiert.

Einerseits sorgen die Verbesserungen, die durch KI in den nächsten Jahren zu erwarten sind, für viel Optimismus und Begeisterung. Andererseits wird befürchtet, dass die Technik das Berufsbild des Radiologen entwerten könnte.

Beide Perspektiven haben ihre Berechtigung; ich möchte hier aber auch meine eigene Sichtweise darstellen, wie ich sie auf der Jahreskonferenz der Radiological Society of North America (RSNA) in Chicago letzte Woche erläutern durfte. Der Titel meines Vortrags „KI in der Radiologie: Anlass zur Sorge oder zur Hoffnung?“ bezieht sich auf die gespaltene Stimmung unter meinen Kollegen.

Neuere Publikationen zu KI-basierten Arbeitsumgebungen prophezeien den Radiologen eine deutliche Einschränkung ihrer beruflichen Rolle. Ich glaube jedoch nicht, dass das so kommen wird.

Seit Jahrzenten wird geunkt, dass Technik eines Tages den Menschen überflüssig machen werde. Aber Menschen sind einfach großartig im Erschließen immer neuer Potenziale und machen sich jede Technik vielmehr geschickt zu Nutze, anstatt sich von ihr ersetzen zu lassen. Zwar erledigen viele Leute heutzutage beispielsweise ihre Steuererklärung mithilfe einer Software, aber deshalb ersetzt solch ein Programm noch lange keinen Steuerberater – ganz im Gegenteil: Durch Verwendung von Software können Steuerberater ihren Mandanten heute viel besseren Service bieten. Bankautomaten mögen Bankangestellten aus Fleisch und Blut viel Arbeit abnehmen, aber Fakt ist doch, dass es heute mehr Bankangestellte gibt als vor der Einführung von Bankautomaten.

Es stimmt zwar, dass neue Technologien uns bestimmte Arbeiten „wegnehmen“, sie können aber auch die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten erhöhen. Obwohl das Desktop-Publishing heute die ehemalige Arbeit der Typografen übernimmt, gibt es heute viel mehr Grafikdesigner als früher.

Wird künstliche Intelligenz Radiologen ersetzen? Die Antwort auf diese Frage von Dr. Curtis Langlotz, Radiologieprofessor an der Stanford University und einer meiner Mentoren in der Bildgebungsinformatik, bringt es auf den Punkt: „Nein. Vielmehr werden Radiologen, die KI verwenden, diejenigen ersetzen, die das nicht tun.“

Wir können nicht vorhersagen, wie die Arbeit des Radiologen in 5, 10 oder 20 Jahren aussehen wird. Ich bin jedoch voller Zuversicht, dass KI die Wertschöpfungskette in der medizinischen Bildgebung in jeder Hinsicht verbessern wird: Terminverwaltung, Bildgebungsprotokolle, Arbeitsablauf, Berichterstellung, Kommunikation, Qualitätsbewertung sowie Patientensicherheit und Nachuntersuchungen.

Eine KI-basierte Automatisierung in der Radiologie kann unsere Fehlerrate und den Aufwand für Routinearbeiten senken helfen, sodass wir mehr Zeit für wesentliche Arbeiten gewinnen – davon bin ich überzeugt. Wir können uns unseren Patienten eingehender widmen und haben mehr Zeit für Gespräche, Beratung sowie Lehr- und Forschungstätigkeiten.

Im Laufe der Geschichte ist es Radiologen immer gelungen, sich technologische Neuerungen zu Nutze zu machen und in den täglichen Arbeitsablauf zu integrieren. Anstatt uns zu sorgen, dass die KI Radiologen ersetzen könnte, sollten wir lieber gemeinsam an innovativen Lösungen arbeiten, um das Potenzial dieser Technik für unseren Beruf und das Wohl unserer Patienten voll auszuschöpfen.

KI in der Radiologie: Anlass zur Sorge oder zur Hoffnung? (PPTX) von NuanceHealth

Sources:

KI in der Medizin

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